Unserem Kalzium helfen, aber wie?

Kalzium ist das häufigste Mineral in unserem Körper. 99 % findet man im Skelett und den Rest in Muskeln, Blut und Extrazellularflüssigkeiten (Flüssigkeit außerhalb der Zellen). Kalzium spielt eine entscheidende Rolle in der Regulation wichtiger Körperfunktionen. Die richtige Menge an zirkulierendem Kalzium ist so entscheidend, dass sogar komplexe Back-up-Systeme existieren.

Diese haben die Fähigkeit Knochen auszurauben, wenn notwendig, um sicher zu stellen, dass ein gleichbleibender Kalziumwert im Blut aufrechterhalten wird. Während Kalzium durch den Stuhl, Urin und Schweiß verloren geht, gibt es nur einen Weg um es zu erhalten, und zwar durch die Ernährungsroutine. Wenn die Menge an absorbiertem Kalzium größer ist, als die Menge, die verloren geht, dann entsteht eine positive Kalziumbilanz. (siehe Tabelle 1)

Wenn ein negativer Kalziumausgleich für eine längere Zeitspanne anhält, dann wird Osteoporose sich entwickeln und die Mineralreserve des Körpers wird allmählich verbraucht. Selbst ein kleiner Verlust von 50 mg pro Tag, kann zu einem beträchtlichen Knochenabbau führen.

Die Tabelle 2 zeigt, dass dieser anhaltende kleine Entzug für über 30 Jahre, zu einem Verlust von 540 g oder 42 % Kalzium aus den Knochen, vom Gesamtlager des Körpers, resultiert. Sobald die Knochen mehr als 35 % ihrer Masse verloren haben, dann entsteht ein hohes Risiko einen Knochenbruch zu erleiden.

Kalzium allein reicht aus?

Die meisten veröffentlichten Studien über den Zusammenhang von Kalziumaufnahme und Knochendichte sind sehr schwach oder nicht existent. Personen, die viel Kalzium aufnehmen haben üblicherweise nicht kräftigere Knochen als diejenigen, die wenig aufnehmen.

Es wurde gezeigt, dass Kalzium den kritischen Knochenabbau, welcher oft von der Menopause begleitet wird, nicht verhindert.

Könnte es also sein, dass Osteoporose nicht einfach eine Mangelkrankheit ist, die durch Schlucken einiger Tabletten behandelt werden kann? Ist diese Krankheit vielleicht mit unserer Überernährung verbunden?

Die Kalzium Räuber

Eine übermäßig hohe Anzahl von Hüftfrakturen wird oft als verlässlicher Indikator für Osteoporose angesehen, eine Knochenkrankheit, die insbesondere Frauen nach der Menopause trifft. Die wird oft auf eine inadäquate Aufnahme von Kalzium zurückgeführt.

Demzufolge empfehlen Gesundheitspolitiker oft einen höheren Kalziumkonsum. Milchprodukte enthalten besonders viel Kalzium. Darum unterstützt die Milchwirtschaft begierig alle Anstrengungen, den Kalziumkonsum anzukurbeln. Diese Bemühungen haben damit zu tun, warum Ihnen immer wieder nahegelegt wurde, viel Milch zu trinken, um starke Knochen zu haben.

Irgendetwas läuft hier allerdings verkehrt, denn dieselben Länder, die am meisten Kuhmilch und Milcherzeugnisse verbrauchen, weisen trotzdem den höchsten Anteil an Knochenbrüchen und den schlechtesten Gesundheitszustand der Knochen auf.

Eine mögliche Erklärung bietet ein Bericht, der einen eindrucksvoll starken Zusammenhang zwischen Tierproteinkonsum und der Knochenfrakturrate bei Frauen in verschiedenen Ländern zeigt. (1)

Der Bericht wurde 1992 von Forschern der Medizinischen Fakultät Yale veröffentlicht und fasst die Ergebnisse über Proteinaufnahme und Frakturraten aus 34 einzelnen Untersuchungen, die in 29 wissenschaftlich begutachteten Publikationen erschienen sind.

Alle Teilnehmer der Untersuchungen waren Frauen ab 50 Jahren. Eindrucksvolle 70 % der Frakturrate waren dem Konsum von Tierprotein zuzuschreiben. Die Wissenschaftler erklärten, dass Tierprotein – im Gegensatz zu pflanzlichem Protein- zu einem Säureüberschuss im Körper führt. (2)

Ein Säureüberschuss bedeutet, dass unser Blut und das Gewebe säurehaltiger werden. Der Körper bekämpft das saure Umfeld, indem er Kalzium als sehr effektive Lauge einsetzt, um die Säure zu neutralisieren. Dieses Kalzium muss allerdings von irgendwoher kommen.

Letztendlich ist es so, dass das Kalzium aus den Knochen gezogen wird. Der Kalziumverlust schwächt die Knochen, was das Risiko von Knochenbrüchen erhöht.

Tierisches Protein und Säureüberschuss

Wir verfügen über Belege aus über 100 Jahren, dass tierische Protein die Gesundheit der Knochen schädigt. Auf die Tatsache, dass tierisches Protein einen Säureüberschuss verursacht, wurde zum Beispiel das erste Mal in den 1880er Jahren (3) hingewiesen und bereits im Jahr 1920 dokumentiert. (4)

Es ist auch schon seit langem bekannt, dass tierisches Protein die Säurebelastung im Körperstoffwechsel erhöht. (5), (7), (8)

Wenn tierisches Protein die Säure erhöht und den Knochen Kalzium entzieht, kommt es zu einer Erhöhung der Kalziumausscheidung im Urin. Diese Auswirkung ist seit über 80 Jahren bekannt (4) und wurde seit den 1970er Jahren genauer untersucht.

Zusammenfassungen dieser Studien wurden in den Jahren 1974 (8), 1981 (9) und 1990 (10) veröffentlicht. Jede dieser Zusammenfassungen zeigt eindeutig, dass die Menge des von vielen täglich konsumierten Tierproteins zu beträchtlichen Zunahmen der Kalziumausscheidung über den Urin führen kann.

Fazit zu Kalzium

Sorgfältige klinische Studien mit Proteinaufnahme ab 26 bis 600 g pro Tag bewiesen, dass die Menge an Kalzium, die über den Urin verloren geht, um 800 % manipuliert werden kann. Je höher die Proteinaufnahme, desto mehr Kalzium kommt im Urin vor.

Eine erhöhte Kalziumaufnahme jedoch, verbessert die negative Kalziumbilanz nur sehr gering. (siehe Tabelle 3)

Tabelle 3: Die Wirkung von wenig und viel Protein auf die Kalziumbilanz

Übersetzung von Tabelle 3:

investigator = Forscher, die den Zusammenhang von Kalzium und Protein untersucht haben
calcium intake = die Kalziumaufnahme in mg
calcium balance = die Kalziumbilanz
low protein = Konsum von wenig Protein (50 g)
high protein = Konsum von viel Protein (145 g)
average = die durchschnittliche Kalziumbilanz

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: in Anwesenheit einer erhöhten Proteinaufnahme, wird eine an kalziumreiche Ernährung die negative Kalziumbilanz und damit verbundene Knochenverlust nicht verhindern.

Die proteinreiche Ernährung jedoch ist nicht der einzige Bösewicht. Andere Kalzium Räuber beinhalten Koffein, Rauchen, fettreiche Nahrungsmittel, Alkoholmissbrauch, übermäßiger Salzkonsum, der chronische Gebrauch von Steroide und Nahrungsmittel reich an Phosphor wie in Fleisch, Milcherzeugnisse und Cola Getränke.

Manche, wie hohe Fettwerte im Darm, binden das Kalzium. Andere, wie der Phosphor in Erfrischungsgetränken und Fleisch, nehmen das Kalzium über den Urin mit.

Um sich ein Bild machen zu können, welche Nahrungsmittel wie viel Kalzium und Protein pro Portion enthalten, findet Ihr in Tabelle 4 und Tabelle 5, die einige Nahrungsmittel aufzählen.

Tabelle 4: Kalzium in proteinreiche Nahrungsmittel

Tabelle 5: Kalzium in kalorien- und proteinarme Nahrungsmittel

Verweise

1Abelow BJ, Holford TR, and Isogna KL. „Cross-cultural association between dietary animal protein and hip fracture: a hypothesis.“ Calcif. Tissue Int. 50 (1992): 14-18.

2 Wachsman A, and Bernstein DS, „Diet and osteoporosis.“ Lancet May 4, 1968 (1968): 958-959.

3 Barzel U.S., „Acid loading and osteoporosis.“ J. Am. Geriatr. Soc. 30 (1982): 613.

4 Shermann HC. „Calcium requirement for maintenance in man.“ J. Biol. Chem. 39 (1920): 21-27.

5 Tierprotein enthält mehr schwefelhaltige Aminosäuren. Bei der Verdauung und Verstoffwechselung dieser Aminosäuren entstehen die säurebildenden Sulfationen, die über die Nieren ausgeschieden werden müssen. Ein kürzlich erschienener Bericht zeigte eine bemerkenswerte 84%ige Korrelation zwischen dem Tierproteinkonsum und saurer Sulfatausscheidung über den Urin.

6 Brosman JT, and Brosnan ME. „Dietary protein, metabolic acidosis, and calcium balance.“ In: H.H Draper (ed.), Advances in Nutritional Research, 77-105. New York: Plenum Press, 1982.

7 Frassetto LA, Todd KM, Morris RC, Jr., et al. „Estimation of net endogenous noncarbonic acid production in humans from diet potassium and protein contents.“ Am. J. Clin. Nutri. 68 (1998): 576-583.

8 Margen S, Chu J-Y, Kaufmann NA, et al. „Studies in calcium metabolism. I. The calciuretic effect of dietary protein.“ Am. J. Clin. Nutr. 27 (1974): 584-589.

9 Hegested M. Schuette SA, Zemel MB, et al. „Urinary clacium and calcium balance in young men as affected by level of protein and phosphorus intake.“ J. Nutri. 111 (1981): 553-562

10 Kerstetter JE, and Allen LH. „Dietary protein increases urinary calcium.“ J. Nutri. 120 (1990): 134-136.

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