Auge um Auge, Zahn um Zahn

Quelle: „Das bessere Leben im Sinne der Bergpredigt“ von Ellen G. White

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn. (2.Mose 21:24) Ich (Jesus) aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wenn jemand dich auf deine rechte Backe schlagen wird, dem biete auch die andere dar. (Matthäus 5:38, 39)

 

Durch die Anwesenheit römischer Besatzungstruppen gab es für die Juden ständig Anlass zu Ärger und Wut. Überall in Judäa und Galiläa waren Militäreinheiten stationiert; ihr Anblick erinnerte das Volk an seine nationale Demütigung. Mit Verbitterung hörten sie die Trompetensignale und sahen mit an, wie die Truppen sich um die römische Standarte versammelten, um sich vor diesem Symbol ihrer Macht zu verneigen.

 

Zusammenstöße zwischen dem Volk und den Soldaten kamen häufig vor und schürten den Hass der Leute. Wenn römische Beamte mt einer Schutzwache von einem Ort zum anderen eilten, ergriffen sie oft jüdische Bauern, die gerade bei der Feldarbeit und zwangen sie, ihnen ihr Gepäck über die Berge zu tragen oder einen anderen Dienst zu leisten.

Dies entsprach den Gesetzen und Gepflogenheiten der Römer. Wer sich den Forderungen widersetzte, musste mit Hohn und grausamer Behandlung rechnen.

Mit jedem Tag wuchs bei den Juden der selbstsüchtige Wunsch, das römische Joch endlich abschütteln zu können.Besonders unter den mutigen und rauen Galiläern herrschte Aufruhrstimmung.

 

Kapernaum war als Grenzstadt der Sitz einer römischen Garnison, und während Jesus predigte, rief der Anblick einer Gruppe vorbeiziehender römischer Soldaten bei den Zuhörern die bittere Erinnerung an Isreals Demütigung wach. Voller Hoffnung sah das Volk auf Christus in der Erwartung, dass er das stolze Rom demütigen würde.

Betrübt blickte Jesus in die Gesichter seine Zuhörer und bemerkte den Ausdruck von Rachsucht. Er wusste, wie sehr sich das Volk nach Macht sehnte, um ihre Unterdrücker zu vernichten. Traurig bat er sie:

 

„Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte auch die linke hin.“ (Matthäus 5:39)

Damit wiederholte Jesus nur, was bereits im Alten Testament gelehrt wurde. Zwar findet sich dort die Regel „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (2.Mose 21:23,24) in den durch Mose verkündeten Rechtsbestimmungen; aber sie war eine strafrechtliche Verordnung. (5.Mose 19:18-21)

 

Kein Israelit war berechtigt, selbst Rache zu üben, denn Gott hatte gesagt: „Die Rache ist mein, ich will vergelten.“ (5.Mose 32:35)

Und im Buch der Sprüche heißt es: „Nimm dir nicht vor, erlittenes Unrecht selber zu vergelten!“ (Sprüche 20:22)

„Sage nicht: Wie er mir getan hat, so will ich ihm tun, will jedem vergelten nach seinem Tun!“ (Sprüche 24:29)

„Freue dich nicht über den Fall deines Feindes.“ (Sprüche 24:17)

„Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken.“ (Sprüche 25:21)

 

Das ganze Leben Christi war eine Manifestation dieses Prinzips. Er verließ seine himmlische Heimat, um seinen Feinden das „Brot des Lebens“ (Johannes 6:32-35) zu bringen. Obwohl man ihn sein Leben lang verleumdete und verfolgte, trat er den Menschen stets mit vergebender Liebe entgegen.

Durch den Propheten Jesaja sagte er voraus: „Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.“ (Jesaja 50:6)

„Er wurde misshandelt, aber er trug es, ohne zu klagen. Wie ein Lamm, wenn es geschoren wird, duldete er alles schweigend, ohne zu klagen.“ (Jesaja 53:7)

Selbst am Kreuz auf Golgatha betete er für die, die ihn töteten, und brachte dem sterbenden Verbrecher neben ihm eine hoffnungsvole Botschaft. (Lukas 23:39-43)

 

Jesus war von Gottes Gegenwart umgeben, sodass alles, was ihm begegnete, von der ewgen Liebe des Vaters zum Segen für die Menschheit zugelassen wurde. Diese Gewissheit tröstet ihn und kann auch uns ein Trost sein. Wer vom Geist Gottes erfüllt ist, der bleibt in Christus.

Der Schlag, der auf ihn zielt, trifft seinen Herrn, der ihn mit seiner Gegenwart umgibt. Er braucht sich gegen das Böse nicht zu Wehr zu setzen, weil Jesus ihn verteidigt. Nichts kann ihm begegnen, was der Herr nicht zulässt, und „denen, die Gott lieben, [wirken] alle Dinge zum Guten mit.“ (Römer 8:28)

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